Ansicht von Oppeln um 1740 Altkolorierter Kupferstich nach Friedrich
Bernhard Werner
Die wissenschaftliche Universalbibliothek „Emanuel Smolka“ hat in der
Hauptstadt der Woiwodschaft Opole/Oppeln die Funktion einer Landesbibliothek.
Sie führt auch die sachliche Aufsicht über das Netz der öffentlichen
Kommunalbüchereien in der Woiwodschaft. 1951 nahm sie ihre Tätigkeit auf. Die
Bibliothek besitzt eine große Sammlung mit wertvollen Altdrucken. Ansichten aus
der einzigartigen Sammlung kommen nun nach Deutschland zu Partnereinrichtungen:
zunächst in das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz in Koblenz (7.5. –
30.6.2010) und anschließend ins Oberschlesische Landesmuseum nach Ratingen
(Hösel).
Für die Ausstellung sind Städtepanoramen aus dem 15. bis zum 19. Jahrhundert
ausgewählt worden. Sie zeigen schlesische Städte als Spiegelbild
architektonischer und struktureller Vielfalt, selbstverständlich im europäischen
Kontext.
Mit der Entwicklung der Grafikkunst Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Stadt
als ein eigenständiges Darstellungsthema entdeckt. Das Ende des 15. Jahrhunderts
war auch die Zeit von immer weiteren Reisen und bahnbrechenden geografischen
Entdeckungen. Diese erforderten exakte geografische Beschreibungen der Städte
und Länder, die durch Karten und Ansichten illustriert wurden. Die ältesten
Ansichten schlesischer Städte erschienen in der Weltchronik von Hartmann
Schedel. Das Werk wurde 1493 bei Anton Koberger in Nürnberg herausgegeben. Es
beschränkte sich auf wichtige Städte, die auch ökonomisch oder
religiös-historisch eine Rolle spielten. Daraus ist ein Farbholzschnitt mit der
Ansicht der Stadt Neisse (poln. Nysa) zu sehen – das Herzstück der Bestände der
Öffentlichen Woiwodschaftsbibliothek. Aus dieser frühen Zeit werden in der
Ausstellung weitere Schätze präsentiert, z. B. die auf einem Blatt erschienenen
Panoramen von Neiße und Liegnitz aus dem sechsbändigen Werk von Braun/Hogenberg
„Civitates Orbis Terrarum“ (1572-1617) sowie ein Kupferstich von Georg Hayer mit
der Ansicht von Breslau aus dem Werk „Breslographia“.
1650 kam die „Typographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae“ von Matthäus Merian
(1593-1650) heraus. Aus diesem bedeutenden Werk werden in der Ausstellung
Panoramaansichten und Perspektivpläne präsentiert. Merian ist bis heute
besonders durch seine Ansichten aus dem Theatrum europeum und viele andere
Arbeiten ein hauptsächlich in Nachdrucken präsenter Künstler. In der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts war er eine der prägenden Gestalten der Buch- und
Illustrationsgeschichte.
Im 19. Jahrhundert gab es mehr regionale Werke. Zu jener Zeit expandierten
die Städte als Folge der Industrialisierung. In der Druckgraphik dominieren
Ansichten im Stil der Romantik. Die Künstler schufen ein idealisiertes Abbild
von Industrie und Stadtlandschaft. Die negativen Auswirkungen der
fortschreitenden Industrialisierung wurden erst später wahrgenommen. Dennoch
hilft dieser Rückblick, denn er lässt uns vergleichen und erkennen, was von der
Vergangenheit erhalten blieb. Zu den wichtigsten Landschaft- und
Architekturzeichnern Schlesiens Ende des 19. Jahrhunderts zählt der schlesische
Maler und Zeichner Theodor Blätterbauer (1823-1906). Er schuf Hunderte von
Zeichnungen und Aquarellen mit zumeist romantisch empfundenen Ansichten
schlesischer Städte und Landschaften. Der dokumentarische Wert seiner
Stahlstiche, Lithographien und Holzschnitte diente als Illustrationen für
bedeutsame Bildwerke wie Alexander Dunckers groß angelegte Edition zu den
ländlichen Wohnsitzen der preußischen Aristokratie oder Franz Schrollers
dreibändige Ausgabe über Schlesien. In den Beständen der Öffentlichen
Woiwodschaftsbibliothek befinden sich viele Grafiken Blätterbauers. In der
Ausstellung werden ausgewählte Arbeiten des Künstlers vorgestellt.
Die historische Entwicklung der schlesischen Städte lässt sich durch die
ausgestellten Ansichten gut verfolgen. Deutlich werden auch die Parallelen, die
die Städte in ihrer Entwicklung untereinander aufweisen. In den Stadtansichten
spiegelt sich die wechselvolle Geschichte Schlesiens insgesamt wider.
„Im Auftrag seiner Majestät. Die Reise des Oberbergrats Friedrich
Wilhelm von Reden von Oberschlesien ins Ruhrtal“
Eine Ausstellung in Verbindung mit dem LWL-Industriemuseum,
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur Laufzeit: 02.05.
- 26.09.2010
Eröffnung: Sonntag, 2. Mai 2010, 15 Uhr
Friedrich Wilhelm Graf von Reden hat die industrielle Entwicklung in
Oberschlesien sehr gefördert. Geboren wurde er am 23. März 1752 in
Hameln. Nach gründlicher Ausbildung im Bergfach und in der
Jurisprudenz sowie der obligaten Bildungsreise nach Frankreich und
England wurde Reden nach kurzer Tätigkeit in der Hannoveraner Kammer von
seinem Onkel, dem preußischen Bergbauminister Friedrich Anton Freiherr
von Heynitz, in preußische Dienste berufen. 1779 wurde er zum Direktor
des Schlesischen Oberbergamtes ernannt.
Im Jahr 1782 reiste er im Auftrag des preußischen Bergwerksministers
auch ins Ruhrtal. Sein Bericht liefert von dort ein detailliertes
Situationsbild des Steinkohlebergbaus. Zu dieser Zeit befand sich der
Bergbau im Ruhrtal noch in den Anfängen. Schlesien besaß durch Redens
Wirken bereits eine höhere technische Entwicklungsstufe.
Reden schuf auf der Grundlage des traditionsreichen aber
entwicklungsbedürftigen Bergbaus in Oberschlesien in 25 Jahren eine
blühende Montanregion. Er sorgte für die Infrastruktur, indem er die
Transportwege verbesserte, Wasserstraßen schuf, Bergarbeitersiedlungen
bauen ließ, sich um die allgemeine Schulbildung und den bergmännischen
Nachwuchs kümmerte. Sein geologischer Spürsinn ließ ihn neue
Lagerstätten finden, und seine naturwissenschaftlichen und technischen
Kenntnisse erlaubten ihm, sie zu erschließen. Er führte technische
Neuerungen ein, z. B. die Gewinnung von Stahl mit Hilfe von Koks (seit
1789) oder 1788 eine englische Dampfmaschine zur Wasserhaltung im
Bergbau, die dann in Schlesien nachgebaut wurde.
1786 wurde Reden in Anerkennung seiner Verdienste um den schlesischen
Bergbau in den Grafenstand erhoben. 1802 wurde er Nachfolger seines
Onkels Friedrich Anton Freiherr von Heynitz als preußischer
Bergbauminister und verwaltete dieses Amt bis 1807. Er zog sich auf sein
Schloss und Mustergut Buchwald im Riesengebirge zurück, wo er am 3.
Juli 1815 starb.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist Redens Beschreibung des
Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet. Gleichzeitig ruft die Ausstellung die
bedeutende Persönlichkeit und das umtriebige Wirken des späteren
preußischen Bergwerksministers von Reden in Erinnerung. Modelle aus dem
Bergbau, historische Grafiken, Archivalien, Statuetten, Plaketten, ein
repräsentatives Teeservices sowie Exponate aus eigenem Bestand sind zu
sehen. Redens schlesisches Lebensumfeld mit Wohnsitz auf Schloss
Buchwald, heute Bukowiec, am Riesengebirge, wird ebenfalls beleuchtet.
Dr.Susanne Peters-Schildgen: Oberschlesisches Jahrbuch. Band 23/24, 2007/2008, Ratingen 2009
Dr.Susanne Peters-Schildgen: Oberschlesisches Jahrbuch. Band
23/24, 2007/2008, Ratingen 2009 | europ sowa.quicksnake.de
Aktualne wydanie rocznika do nabycia w ksiêgarniach, archiwalne egz. u Wydawcy 2 sekund(y)
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Czelad¼Die aktuelle Ausgabe kann im
Buchhandel, ältere Ausgaben können bei der Stiftung Haus Oberschlesien
bestellt
werden. Mit bestem Dank und mit freundlichem Gruß Dr. Susanne
Peters-Schildgen Oberschlesisches Landesmuseum Bahnhofstr. 6240883
Ratingen Tel.: 02102/965-233, Fax: 965-400e-mail: schildgen@oslm.dehome:
www.oslm.de
Grzimek-Ausstellung aus dem Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen im Oberschlesischen Museum in Beuthen eröffnet
Im vergangenen Jahr gratulierte das Oberschlesische Landesmuseum mit der großen Sonderausstellung „Mein Leben für die Tiere“ dem charismatischen Zoologen, Tierarzt und Verhaltensforscher Prof. Dr. Bernhard Grzimek zu seinem 100. Geburtstag. Bis zum 30. April ist die Ausstellung unter dem Namen „Bernhard Grzimek - z Nysy do Serengeti” („Bernhard Grzimek - von Neisse in die Serengeti“) im Oberschlesischen Museum in Beuthen (Muzeum Górno¶l±skie w Bytomiu) zu sehen.
Eine geschlossene Schneedecke im oberschlesischen Beuthen draußen und die Wärme der fernen Serengeti drinnen – mit diesen Kontrasten beginnt die große naturkundliche Grzimek-Ausstellung im Oberschlesischen Museum in Beuthen. Zu den aus Ratingen bekannten Exponaten sind zahlreiche Präparate aus den reichhaltigen lokalen Sammlungen des polnischen Partners hinzugefügt worden. Nicht zuletzt besitzt das Beuthener Museum ein afrikanisches Streifengnu und ein Zebra. Diese seltenen Präparate schlagen den Bogen in die Serengeti und damit zu Grzimeks Arbeit in Afrika.
Am Freitag, 12. Februar 2010, wurde die Ausstellung in neuer Gestaltung der Öffentlichkeit übergeben. Bei der Eröffnung dankte der Stadtpräsident den beteiligten Museen für die Initiative. Museumsdirektor Mieczyslaw Dobrowski hatte schon eingangs den großen Stellenwert der Zusammenarbeit wie auch der aus Oberschlesien stammenden Persönlichkeit von Bernhard Grzimek gewürdigt. Dass es neuer Erinnerung bedarf und erst die Vielfalt das reichhaltige Erbe ausmacht, stellte auch Dr. Stephan Kaiser heraus. Als neuer Leiter der Kulturabteilung des Kattowitzer Marschallamtes war Przemys³aw Smyczek gekommen. Da dies seine erste Ausstellungseröffnung und diese gleich ein Kooperationsprojekt ist, so mag dies ein hoffnungsvolles Zeichen oder auch Beleg der Selbstverständlichkeit gelebten Austausches zwischen Nordrhein-Westfalen und der Partnerregion Schlesien sein. Schließlich führte Charlotte Dietrich als deutsche Kuratorin in das Lebenswerk Grzimeks ein. Dem trotz der winterlichen Witterung zahlreich erschienenen Publikum wurde sodann die in zwei großen Sälen gezeigte Schau vorgestellt. Das ist ein gelungener Start im Jubiläumsjahr des großen Beuthener Museums. Bis zum 30. April ist diese Ausstellung geöffnet.
Sehr geehrtes Redaktionsteam, sehr
geehrte Damen und Herren,
ein ereignisreiches und
arbeitsreiches Jahr neigt sich dem Ende zu. In dessen Mittelpunkt standen die
beiden großen Sonderausstellungen über Leben und Wirken Bernhard Grzimeks und
über die Entwicklung der Luftfahrt in Schlesien. Sie und Ihr Team haben unsere
Ausstellungen und Veranstaltungen auch in diesem Jahr mit großem Interesse
begleitet. Dafür danken wir Ihnen auf diesem Wege ganz herzlich.
Wir würden uns freuen, wenn Sie
unsere Arbeit auch im Neuen Jahr unterstützen könnten.
Ihnen sowie Ihren Kolleginnen und
Kollegen wünschen wir ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes
Neues Jahr, Gesundheit und Erfolg.
Mit freundlichen
Grüßen
Dr. Susanne
Peters-Schildgen
und das gesamte Mitarbeiterteam des
Oberschlesischen Landesmuseums
Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz
Oberschlesisches Landesmuseum 16. März – 8. Juni 2008 Eröffnung: 16. März 2008, 14 Uhr
Als 1954 im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft die Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland mit den favorisierten Ungarn um den Sieg kämpfte, fieberte ganz Zaborze – ein Stadtteil von Zabrze– an den Radioempfängern mit, um nach dem Abpfiff in wahrhaftig lateinamerikanischer Manier den Sieg ihrer Helden zu feiern. Hätte damals die polnische Nationalmannschaft die Ungarn bezwungen, wäre man wohl genauso euphorisch gewesen, spielten doch die jungen Männer aus Gleiwitz, Ratibor, Kattowitz und Königshütte sowohl in der polnischen als auch in der deutschen Nationalelf. Beim WM-Spiel Deutschland gegen Polen am 14. Juni 2006 in Dortmund waren junge Oberschlesier gleichfalls in beiden Nationalmannschaften vertreten. Diese Ereignisse umschreiben ein Phänomen, dem in der Ausstellung „Oberschlesier in der deutschen und polnischen Fußballnationalmannschaft – gestern und heute“ nachgegangen wird. Polnische bzw. deutsche Fußballstars, die ihre Wurzeln in Oberschlesien haben, stehen dabei im Mittelpunkt. Konzipiert wurde diese Präsentation vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2006. Seit ihrer Eröffnung im Juni 2006 erfreut sich die Präsentation auch an ihren vielen nachfolgenden Stationen großer Popularität. Als Projektpartner und weitere Ausstellungsstation stimmt das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen (Hösel) mit dieser spannenden Schau nicht nur ausgemachte Fußballfreunde auf das große Ereignis der Fußballeuropameisterschaft in diesem Jahr ein.
Ein imaginäres „Dreamteam“ aus berühmten Fußballspielern unterschiedlicher Zeitperioden findet in der Ausstellung erstmalig zu einer Mannschaft zusammen – ganz ohne nationale Vorurteile. Überraschend viele Sporttalente haben ihre Wurzeln in Oberschlesien: Ernst Wilimowski/Pradulla, Gerard Cieschlik, Ernst Pohl, Gerhard Wodasch, Leonard Piontek, Erwin Nytz, Ewald Cebulla, Anatol Muschalla, Adolf Krzyk, Edmund Giemsa, Werner Janik, die Brüder Richard und Wilhelm Pietz, Richard Malik, Adolf Thiem oder auch Ewald Dytko – das sind einige Namen der Fußballlegenden vergangener Zeiten. Ihnen werden zwei Fußballhelden der Gegenwart gegenübergestellt: Miroslav Klose aus Oppeln und Lukas Podolski aus Gleiwitz/Sosnitza. Mit der Deutschen Nationalelf schossen sie sich bei der WM 2006 direkt in die Herzen der Fans. Ebenso bekannt ist der Torwart der polnischen Nationalmannschaft, Jerzy Dudek, der seine berufliche Karriere im oberschlesischen Knurow begonnen hat.
Die Ausstellung bindet Lebensgeschichten und persönliche Schicksale der Fußballstars ein in die wechselvolle Geschichte Oberschlesiens im 20. Jahrhundert, als es Zankapfel zwischen Deutschland und Polen war: Der Erste Weltkrieg, die Schlesischen Aufstände, die Volksabstimmung, der Zweite Weltkrieg, die Stalinisierung des politischen und öffentlichen Lebens in der Nachkriegszeit und die sich mit unterschiedlicher Stärke wiederholenden Auswanderungswellen in die beiden deutschen Staaten haben diese einst traditionell multikulturelle Region weitgehend verändert. Dies hatte zur Folge, dass jene Fußballspieler entweder deutsche oder polnische Staatsbürger waren. Sie konnten in unterschiedlichen Nationalmannschaften spielen und wurden auf diese Weise mit den konfliktreichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern konfrontiert.
Die Ausstellung macht deutlich, wie die politischen Ereignisse das Leben der Sportler beeinflusst und manchmal zu schwierigen Entscheidungen auf sportlicher wie auf privater Ebene geführt haben. Die präsentierten Lebensgeschichten stehen auch stellvertretend für die persönlichen Schicksale, die in vielen Familiengeschichten in Oberschlesien vorzufinden sind. Sie verdeutlichen einmal mehr die schwierige Frage nach der Identität seiner Einwohner, zugleich aber auch das Spezifische und Einzigartige dieser Region.
So ist ein Ziel der Ausstellung, Geschichte und Mentalität der Oberschlesier den Besuchern näher zu bringen. Besonders hebt sie die Leistungen der großartigen Fußballspieler heraus,die sich zwischen zwei Lebenswelten bewegten. Lebensläufe, Anekdoten und zahlreiche Fotos führen in die damalige Lebenssituation dieser Menschen ein und setzen diese in Beziehung zu gegenwärtigen Fußballstars mit oberschlesischen Wurzeln (Podolski, Klose, Dudek). Ergänzt wird die Schau durch viele Realien, Sammler- und Erinnerungsstücke aus der Welt des Fußballs.
Im Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen (Hösel), nur wenige Kilometer vom Ruhrgebiet entfernt, ist diese Ausstellung bestens platziert. Deutsch-polnische Fußballbeziehungen haben im Ruhrgebiet eine lange Tradition und sind eng verbunden mit der Industriegeschichte dieser Region. Hierhin zog es Ende des 19. Jahrhunderts viele Zuwanderer aus dem ehemaligen preußischen Osten mit deutscher und polnischer Muttersprache. Angeworben hatten sie die Zechengesellschaften, die ihren Bedarf an Bergleuten nicht mehr aus den umliegenden Gebieten decken konnten. Die Namen berühmter Fußballspieler wie Kuzorra, Szepan oder Burdenski – Garanten für den sportlichen Erfolg des FC Schalke – verweisen auf die Herkunft ihrer Familien aus Masuren, Posen und Schlesien.
Auch heute bestehen die vielfältigen Verbindungen fort. Dies zeigt sich sowohl im regen Fußballvereinsleben als auch in der Betrachtung der einzelnen Lebensläufe der Sportler, die in den polnischen und deutschen Klubs mitgewirkt haben. Ähnlich groß ist in beiden Industriegebieten die andauernde Begeisterung der Fans für den Fußballsport, die sich insbesondere in der Treue für kleinere Klubs und der Tätigkeit in den Ortsvereinen manifestiert. Die aus Schlesien stammenden und im Ruhrgebiet wirkenden Sportler sind auch nach dem Ende der Karriere weiterhin dem Fußball treu geblieben. So engagieren sie sich in der Altherrenliga und sind auch im Sinne des deutsch-polnischen Sportaustausches aktiv. Den Leihgebern Georg Ignacek und Dr. Jozef Kurzeja verdankt das Oberschlesische Landesmuseum zahlreiche Exponate und Andenken in der Ausstellung. Sie tragen dazu bei, der schlesischen Fußballerseele ein Stück näher kommen.
Die Finissage der Ausstellung am 8. Juni2008 fällt mit dem EM-Spiel „Deutschland gegen Polen“ zusammen. Bei der Abschlussveranstaltung rücken die aktuellen Ereignisse rund um die Europameisterschaft in den Mittelpunkt. Am Abend können die Besucher gemeinsam auf einer Großleinwand das Fußballspiel verfolgen.
Termine zu weiteren Begleitangeboten werden auf der Homepage des Oberschlesischen
Landesmuseums im Internet unter: www.oslm.de bekannt gegeben.
Oberschlesier in der deutschen und polnischen Fußballnationalmannschaft – gestern und heute. Sport und Politik in Oberschlesien im 20. Jahrhundert“
Das Wissenschaftliche Team des Oberschlesischen Landesmuseums
Von links nach rechts: Holger Seifert M.A., Milena Iskrzycka, Dr. Jolanta Rusinowska-Trojca, Dr. Susanne Peters-Schildgen, Dipl. theolog. Gregor Ploch, Stiftungsdirektor und Museumsleiter Dr. Stephan Kaiser
Das neue Jahr ist noch jung, doch das Mitarbeiterteam des Oberschlesischen Landesmuseums blickt mit vielen interessanten Vorhaben – und jetzt auch mit personeller Verstärkung – voller Elan nach vorn. Dazu der Leiter Dr. Stephan Kaiser: „Gleich drei neue wissenschaftliche Kräfte ergänzen das Team. Die Unterschiede in Herkunft und Ausbildung erlauben uns, die breite Aktionspalette im In- und Ausland erheblich zu erweitern und optimal abzudecken“.
Die „Neuen“ im Museumsteam
Dr. Jolanta Rusinowska-Trojca ist eine Fachkraft, die ihr Studium sowohl in Polen an der Schlesischen Technischen Universität in Gleiwitz/Gliwice als auch in Deutschland an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn absolvierte. Die Architektin und Kunsthistorikerin wurde 1970 im oberschlesischen Zabrze/Hindenburg geborenen. Sie ist bestens vertraut mit Fragen zu schlesischer Städtegeschichte und -planung, die auch im Mittelpunkt ihrer Promotion in Kunstgeschichte standen. Zuletzt war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am deutsch-polnischen Institut für Neue Industriekultur INIK in Forst (Lausitz) mit der Erfassung und Revitalisierung postindustrieller Kulturlandschaft in der Euroregion Spree-Neiße-Bober in Deutschland und in Polen befasst. Am Oberschlesischen Landesmuseum wird sich ihr Wirkungsfeld nun besonders auf die Zielregion der Woiwodschaft Schlesien/Slask richten, um dort die Kontakte mit polnischen Partnern für künftige Kooperationsvorhaben zu betreuen.
Holger Seifert wurde 1979 in Dresden geboren. Dort hat er auch sein Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Informatik mit dem Magisterabschluss absolviert. Berufserfahrungen sammelte Seifert bereits als Praktikant am Erich Kästner-Museum in Dresden, in der EDV-Abteilung des Deutschen Historischen Museums, Berlin und zuletzt als Wissenschaftlicher Volontär im Arithmeum der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seine besonderen Kenntnisse der Inforationstechnologie führten ihn schon bis in die Vereinigten Arabischen Emirate (Emirat Abu Dhabi), wo er als Dozent junge Menschen auf diesem Gebiet unterrichtete. Jetzt profitiert das Oberschlesische Landesmuseum von Seiferts technischem Know-how. Dabei wird er auch seine Herkunftsregion Sachsen als Achse zwischen West und Ost nicht aus dem Blick verlieren: Seine Forschungen im Rahmen seiner Magisterarbeit über die deutsch-polnischen Verhältnisses am Beispiel der geteilten Stadt Görlitz 1945-1989 kommen ihm dabei sicherlich zugute.
Der Dritte im Bunde ist Gregor Ploch, geboren 1977 im oberschlesischen Rybnik. Er ist der erste Wissenschaftlicher Volontär im Höseler Museum. Ploch hat sein Studium der katholischen Theologie in Münster, Salzburg und in Wien absolviert. Zuletzt war er in Wien als Doktorand für den Forschungsbereich Geschichte Schlesiens in der Neuzeit unter Berücksichtigung der konfessionellen Verhältnisse tätig und schließt derzeit seine Promotion im Fach Kirchengeschichte ab. Plochs Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte Schlesiens im 19./20. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt Oberschlesien. Sein besonderes Interesse gilt dem heutigen polnisch-tschechischen Grenzgebiet – einer Region, die auch zum Interessengebiet des Oberschlesischen Landesmuseums gehört. Er wird deshalb besonders die deutsch-polnisch-tschechischen Beziehungen im Blick haben. Sein ehrenamtliches Engagement als Vorsitzender der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung ist dafür eine gute Voraussetzung. Diese Initiative für Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland und Polen widmet sich dem kulturellen Austausch. Im Mittelpunkt stehen dabei die Geschichte, Literatur und religiöse Kultur Schlesiens als wichtige Brückenlandschaft zwischen beiden Nationen.
Erweiterte Perspektiven
Mit dieser breiten personellen Konstellation können nun viele weitere interessante und abwechslungsreiche Projekte in Angriff genommen werden. Im Mittelpunkt des Jahres 2008 steht ein doppeltes Jubiläum: Am 11. März 1983 wurde das Oberschlesische Landesmuseum in Anwesenheit des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau eröffnet. Mit der Einweihung des großen Museumsbaues begann dann vor 10 Jahren eine neue Ära. Beide Jubiläen greift die große Ausstellung „Ein zehnfach interessantes Land“ auf, die vom 22. Juli bis zum 05. Oktober 2008 gezeigt wird.
Um diese zentralen Ereignisse ranken sich zusätzliche interessante Ausstellungsvorhaben, so zur Oder als Lebensader Schlesiens, zum Thema Fußball in Oberschlesien und zu zeitgenössischer Textilkunst aus der Zielregion. Ausdruck der langjährigen und bewährten Zusammenarbeit zwischen dem Oberschlesischen Landesmuseum und dem Kreis Mettmann ist die große Kreiskunstausstellung. Sie wurde bereits mehrfach im Höseler Museum ausgerichtet. Auch die Präsentation des Jahres 2008 (19.10.-23.11.08) verspricht einen interessanten Querschnitt aus dem breiten Spektrum künstlerischer Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten von Künstlerinnen und Künstlern des Kreises. Man darf gespannt sein. Weiterhin wird es eine Ausstellung zu verschiedenartigen Gesellschaftsspielen mit schlesischen Motiven geben. Das Jahr 2008 klingt aus mit der Eröffnung der Ausstellung „Beste Qualität zu civilen Preisen“ – Schlesisches Porzellan seit 1820“ (7.Dezember 2008 – 8.März 2009) des Schlesischen Museums zu Görlitz. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über die Produktion der schlesischen Porzellanfabriken von 1820 bis in die Gegenwart mit prunkvollen Exponaten aus bedeutenden Privatsammlungen, aus dem Besitz der Nachfahren von Fabrikanten sowie Leihgaben aus Polen im jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Kontext. Zu allen Ausstellungen werden Begleitveranstaltungen und ein museumspädagogisches Programm geboten.
Johann Wolfgang von Goethe schrieb Anfang August 1790 aus Schlesien nach Weimar: „Seit Anfang des Monats bin ich nun in diesem zehnfach interessanten Lande“, das „ein sonderbar schönes, sinnliches und begreifliches Ganzes macht. Ich werde viel zu erzählen haben“. Dieser Vielfalt widmet sich das Oberschlesische Landesmuseum besonders im Jubiläumsjahr 2008 und darüber hinaus mit einem ansprechenden und abwechslungsreichen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm, mit dem ein möglichst breites Publikum angesprochen werden soll.
das Oberschlesische Landesmuseum szuka fotografii z zycie codziennego na polsko-niemieckich terenach po plebiscycie
Dieses bisher kaum einem breiteren Publikum präsentierte Thema wurde vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit aufgegriffen. Im Herbst dieses Jahres soll es hierzu eine Ausstellung in Oberschlesien geben, die das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen-Hösel auch mit diesem Aufruf unterstützen möchte. Gesucht werden Bilder, die den Alltag an der deutsch-polnischen Grenze in Oberschlesien 1922–1939 illustrieren.
Nach der turbulenten Zeit der Aufstände und des Plebiszits wurde vom Botschafterrat in Genf im Herbst 1921 der endgültige Verlauf der deutsch-polnischen Grenze in Oberschlesien festgelegt.
Eine seit Jahrhunderten zusammengewachsene, multikulturelle Region sollte fortan im Rahmen zweier verschiedener Staaten funktionieren. Nach der Bekanntgabe der neuen Grenzziehung setzte die „erste oberschlesische Völkerwanderung” ein. Ca. 200.000 Einwohner des ehemaligen Abstimmungsgebiets wechselten bis 1924 ihren ständigen Wohnsitz. Die einen wollten weiter als deutsche Bürger in Deutschland leben, die anderen ihren Traum vom polnischen Oberschlesien in Erfüllung bringen.
Wie sah das Leben im Schatten der Grenzpfähle aus? War dies tatsächlich eine „brennende” Grenze? Wie haben sich die Oberschlesier in den 1920er Jahren mit der neuen Realität abgefunden? Diese und viele weitere Fragen sollen mit der Ausstellung aufgegriffen und beleuchtet werden. Im Rahmen der Ausstellung und einer Veröffentlichung sollen der Alltag im ehemaligen Grenzgebiet sowie die materiellen und immateriellen Überreste einer Grenze präsentiert werdem, die zwischen 1922 und 1939 die Region teilte. So wird anhand von Landkarten und Bildmaterialien der (mancherorts kuriose) Grenzverlauf veranschaulicht. Hier und da stehen noch die „stummen Zeugen” der Geschichte: deutsche und polnische Zollhäuser sowie grasbewachsene Grenzbunker. Neben Bildern und Landkarten werden im Rahmen der Ausstellung Ton- und Filmaufnahmen präsentiert, die das visuelle Material ergänzen werden.
Ihre Beteiligung an dem Vorhaben haben bereits die Städte Hindenburg und Beuthen, das Museum Hindenburg, das Staatsarchiv Kattowitz/Gleiwitz und die Stadtbibliothek in Beuthen bestätigt. Weitere Partner sind angefragt. Auch die Kattowitzer Redaktion der landesweit auflagestärksten Tageszeitung “Gazeta Wyborcza” sowie andere regionale Medien werden laufend über das Vorhaben berichten.
Information Kontakt: Oberschlesisches LandesmuseumStiftung Haus Oberschlesien Bahnhofstr. 62Tel.: +049 (0) 2102/965-0 / Fax: +049 (0) 2102/965-400e-mail: info@oslm.de / home: www.oslm.de
Subject: Presseinformationen des Oberschlesischen Landesmuseums
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit anliegenden Informationen möchten wir zum einen auf drei digitale Veröffentlichungen (Digitale Quellen zur schlesischen Kulturgeschichte) und zum anderen auf ein Projekt des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit hinweisen. Letzteres möchten wir mit anliegendem Aufruf unterstützen.
Wir bitten freundlich um Veröffentlichung/Weiterleitung dieser Informationen und stehen Ihnen für weitere Fragen gern zur Verfügung.
Für Ihre Kooperationsbereitschaft danken wir sehr und verbleiben
mit herzlichen Grüßen aus dem Oberschlesischen Landesmuseum.
Dr. Susanne Peters-Schildgen Oberschlesisches Landesmuseum Bahnhofstr. 62, 40883 Ratingen